Kampfsportler mit neuer Hüfte
Bad Oeynhausen -

Oberarzt Dr. Dirk Steinberg gemeinsam mit seinem Patienten Bernhard Campen. Foto: MKK
Wenn man Bernhard Campen in seiner Kampfsportschule erlebt, merkt man schnell: Dieser Mann lebt für den Sport. Seit fast 40 Jahren steht er auf der Matte, trainiert Kinder, Jugendliche und Erwachsene, gibt Techniken weiter und vermittelt Werte wie Respekt, Disziplin und Selbstbeherrschung. Die letzten zwei Jahre jedoch waren für Bernhard Campen ein täglicher Kampf. Sein Alltag war von Schmerzen geprägt – lange ignorierte der Kampfsportler die Signale seines Körpers.
Zunächst waren es nur leichte Schmerzen in der Hüfte – ein Ziehen nach dem Training, Steifheit am Morgen, Beschwerden bei bestimmten Bewegungen. Dinge, die der heute 59-Jährige ignorierte. „Ich dachte immer: Ach, noch geht es, so schlimm wird es schon nicht sein“, schildert Bernhard Campen.
Die Beschwerden wurden jedoch immer schlimmer. Aus gelegentlichen Schmerzen wurde ein dauerhafter Begleiter. Tritte fielen schwerer, längeres Stehen wurde zur Belastung. Auch einfache Bewegungen schmerzten plötzlich.
„Selbst der Gang zum Briefkasten war am Ende kaum mehr möglich“, erinnert sich seine Frau Nina Campen. Trotzdem trainierte der Kampfsportler immer weiter. „Man will es nicht wahrhaben: Den Gedanken, dass mein Körper irgendwann nicht mehr mitmacht, den schiebt man weg“, erzählt Bernhard Campen.
Die Diagnose brachte schließlich Gewissheit: schwere Arthrose in der Hüfte. Das Gelenk war über Jahre hinweg stark verschlissen. „Die Hüfte war massiv geschädigt. Auf den Röntgenbildern konnten wir genau sehen, wie der Knorpel zwischen Hüftkopf und Pfanne komplett zerstört war. Daher auch die sehr starken Schmerzen“, erläutert Dr. Dirk Steinberg, Oberarzt in der Universitätsklinik für Allgemeine Orthopädie an der Auguste-Viktoria-Klinik in Bad Oeynhausen.
Die behandelnden Ärzte rieten dem Kampfsportler dringend zu einer Operation. Dieser schob den Eingriff lange auf, doch als nichts mehr ging, musste er handeln. „Ich dachte, in meinem Alter brauche ich noch kein künstliches Gelenk. Dass mein Zustand so schlimm war, hat mich wirklich schockiert“, berichtet er.
Ende 2025 wurde Campen in der Auguste Viktoria-Klinik in Bad Oeynhausen operiert und bekam ein neues Hüftgelenk eingesetzt. Kurz nach dem Eingriff begann bereits die Rehabilitation mit vorsichtigen Bewegungen, Gehübungen und gezieltem Muskelaufbau.
Normalerweise empfehlen Ärztinnen und Ärzte nach einer Hüftoperation Geduld und eine schrittweise Rückkehr in den Alltag. „In den ersten Wochen steht vor allem Heilung im Vordergrund. Viele Patientinnen und Patienten müssen erst wieder Vertrauen in ihren Körper entwickeln. Sportliche Belastung wird normalerweise sehr kontrolliert gesteigert“, erklärt Universitätsprofessor Dr. Patrick Orth, Direktor der Universitätsklinik für Allgemeine Orthopädie.
Umso erstaunlicher verlief die Entwicklung des Patienten Campen. Schon wenige Wochen nach der Operation stand der Jiu-Jitsu Trainer wieder in seiner Kampfsportschule in Ostfriesland. „Wenn wir uns die Videos seines Trainings ansehen, ist es erstaunlich, wie Herr Campen heute wieder trainiert. Er musste seine Leidenschaft nur für kurze Zeit unterbrechen und ist schnell wieder auf seinem alten Stand gewesen. So etwas haben wir auch noch nicht gesehen“, sagt Dr. Dirk Steinberg.
„Unser Patient ist sozusagen ein Sonderfall, ein Ausreißer nach oben. Aber da sieht man, was möglich ist. Seit fast 40 Jahren macht er diesen Sport, kennt die Abläufe ganz genau und weiß, wie er in bestimmten Situationen reagieren muss“, erläutert Universitätsprofessor Dr. Patrick Orth.
Die Matte ist sein Zuhause. Bernhard Campen trainiert wieder wie gewohnt seine Schülerinnen und Schüler. „Ich bereue es, dass ich die Operation nicht schon viel eher durchgeführt habe. Ich habe Lebensqualität zurückgewonnen. Sich ohne Schmerzen zu bewegen, ist ein ganz neues Lebensgefühl“, betont der Jiu-Jitsu-Trainer aus Großefehn. Bernhard Campen ist aktiv, viel in Bewegung. „Ich arbeite viel an mir und sitze nicht auf dem Sofa und schone mich. Man muss mutig vorangehen, aber auch mit Bedacht.“
Nach der Implantation eines künstlichen Hüftgelenks raten Orthopädinnen und Orthopäden in der Regel zu einer bewussten und gelenkschonenden Rückkehr in den Sport. Besonders empfohlen werden Aktivitäten mit gleichmäßigen fließenden Bewegungen und geringer Stoßbelastung wie Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking, „da sie die Muskulatur stärken und die Beweglichkeit fördern, ohne das Implantat übermäßig zu beanspruchen“, erklärt der Klinikdirektor. „Von Kontaktsport hingegen raten wir meist ab, da Stürze und abrupte Bewegungen das Risiko für Luxationen oder vorzeitigen Verschleiß erhöhen.“
Am Ende steht für Bernhard Campen vor allem eines: Die Rückkehr zu dem, was sein Leben ausmacht. Schritt für Schritt hat er sich zurück auf die Matte gearbeitet. „Ich kann nur jeden ermutigen, nicht so lange mit der Operation zu warten. Hätte ich gewusst, wie mein Leben wieder aussehen kann, hätte ich diesen Schritt schon viel früher gewagt“, sagt der Kampfsportler.