Netzwerker, Strippenzieher und Ankurbler
Lübbecke -

Fast zwölf Jahre lang war er der Ansprechpartner für die Interessen der Lübbecker Wirtschaft, und sein Wirken hat Spuren hinterlassen. Jetzt ist Claus Buschmann mit einer kleinen Feierstunde in den Ruhestand verabschiedet worden. Den wird der Vater zweier erwachsener Kinder, der sein privates Glück vor Jahren im niedersächsischen Hildesheim gefunden hat, mit seiner Frau antreten – und sich vor allem dem Unterwegssein widmen, auf gemeinsamen Reisen und mit seiner Leidenschaft, dem Motorrad.
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Als Claus Buschmann zum 1. März 2010 seinen Dienst bei der Stadt Lübbecke antrat, konnte er aus dem Erfahrungsschatz einer bewegten beruflichen Laufbahn schöpfen. Als gelernter Industriekaufmann und diplomierter Betriebswirt gab es für ihn praktisch kein Arbeitsfeld, dass er nicht in verschiedensten Funktionen beackert hätte: Verkaufsleitung und Vertrieb, kaufmännischer Leiter und Prokurist, freier Mitarbeiter, Niederlassungsleiter, geschäftsführender Gesellschafter. Ebenso vielfältig liest sich die Liste der Branchen, in denen der gebürtige Essener tätig war, darunter Feinkost, Telekommunikation, Informationstechnologie und Personaldienstleistung.
Die Erfahrungen aus fast 40 Berufsjahren werden ihren Teil dazu beigetragen haben, dass der Wirtschaftsförderer Claus Buschmann einer war, der sich schnell auf vieles einzustellen vermochte und dabei kaum aus der Ruhe zu bringen war. In jedem Fall haben sie dabei geholfen, ein vollständig neues Betätigungsfeld zu erschließen. Als seine Stelle eingerichtet wurde, habe die Öffentlichkeit allenfalls eine vage Vorstellung gehabt, wie städtische Wirtschaftsförderung aussehen könnte, berichtet Buschmann. Das sei „Fluch und Segen zugleich“ gewesen, wobei er sich klar für die segensreiche Perspektive großer Gestaltungsspielräume entschieden habe.
Strategische Entwicklung von Gewerbegebieten, Standortentwicklung, Breitbandausbau – Claus Buschmann rührte in vielen Töpfen, wissend, wo bei Lübbeckes Wirtschaftstreibenden der Schuh drückte. Ein Herzensanliegen war es ihm, für das Thema Bildung als Standortfaktor zu sensibilisieren. Das gelang so gut, dass schließlich eine E-Mail und ein paar Telefonate reichten, um etwa einer Grundschule auf dem ganz kurzen Dienstweg ein neues Klavier für den Musikunterricht zu beschaffen. Heute sind die „Bildungspartnerschaften“ eine fest etablierte Institution, die maßgeblich zur Qualität der Ganztagsbetreuung für Lübbecker Schülerinnen und Schüler beiträgt.
Was haben der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes, der Präsident des Bundeskartellamts und der des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, der Intendant des WDR, der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung und der Generalinspekteur der Bundeswehr gemein? Sie alle und einige mehr haben sich von Claus Buschmann davon überzeugen lassen, dass Lübbecke eine Reise wert ist. Als Gastredner haben sie sich die Klinke in die Hand gegeben und dafür gesorgt, den Lübbecker „Wirtschaftskreis“ zu einem Format mit Strahlkraft zu machen.
Darauf angesprochen, huscht ein Lächeln über Buschmanns Gesicht. Auf die „Promiriege“, die er nach Lübbecke gelotst hat, sei er schon „ein bisschen stolz“, sagt der 65-Jährige. Viel wichtiger sei ihm aber der Dialog der Unternehmerschaft, der sich daraus entwickelt habe. Die Vorträge seien mehr oder weniger Katalysator für das eigentliche Ziel gewesen, so Buschmann: „Ein Miteinander unserer lokalen Wirtschaft, in der man sich kennt, regelmäßig austauscht und die Herausforderungen gemeinsam anpackt.“
„Einen Könner erkennt man daran, Schwieriges leicht aussehen zu lassen“, lobte Bürgermeister Frank Haberbosch seinen langjährigen Mitarbeiter. Buschmann habe einen gehörigen Anteil an der überaus erfreulichen wirtschaftlichen Entwicklung Lübbeckes im zurückliegenden Jahrzehnt und daran, dass die heimische Wirtschaft ihrer Stadtverwaltung zuletzt immer wieder sehr gute Zeugnisse ausgestellt habe. „Lübbecke schuldet Dir Dank, und wir werden Dich vermissen“, so Haberbosch, der zum Abschied statt Blumen wunschgemäß ein „geistreiches Flüssigpräsent“ überreichte.
Die erfolgreiche Arbeit von Claus Buschmann fortzuführen und dabei eigene Akzente zu setzen, wird die Aufgabe von Jan-Christoph Wehrmann sein. Der 39-jährige gebürtige Herforder hat zu Jahresbeginn seinen Dienst angetreten und war seither praktisch pausenlos gemeinsam mit seinem Amtsvorgänger unterwegs, um sich einzuarbeiten und einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.
