Vorfahrt für Pedalritter
Lübbecke -

Freie Fahrt für Radfahrer zwischen Lübbecke und Nettelstedt: Pünktlich zum Beginn der Radsaison hat die Stadt am Wiehen jetzt ihre erste dezidierte Fahrradstraße. Nach rund einjähriger Bauzeit ist die rund sechs Kilometer lange Strecke entlang der ehemaligen MKB-Trasse jetzt ein „Drahtesel-Highway“. Er erstreckt sich von der Einmündung Heuweg/Jockweg bis zum Kreuzungsbereich Husener Straße/Auf der Windburg.
Auf der neuen Wegeverbindung, von der sowohl der touristische als auch der umweltfreundliche Alltagsradverkehr profitieren soll, gelten ab sofort veränderte Verkehrsregeln: Außer in Bereichen, in denen Zusatzschilder anderen Verkehrsteilnehmern die Nutzung gestatten, darf die Fahrradstraße nur mit Fahrrädern oder Elektrokleinstfahrzeugen befahren werden. Erlaubt sind neben „normalen“ Rädern also auch Pedelecs und E-Scooter. Es gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern für alle Verkehrsteilnehmer.
In einer Fahrradstraße ist grundsätzlich die gesamte Fahrbahnbreite für den Radverkehr reserviert. Radfahrer dürfen nebeneinander fahren. Wie auf jeder anderen Straße gilt auch hier der Grundsatz der gegenseitigen Rücksichtnahme und damit auch das Gebot, schnellere Verkehrsteilnehmer überholen zu lassen.
Die Freigabe durch Zusatzzeichen teilt sich drei wesentliche Kategorien: In Abschnitten ohne Bebauung ist zusätzlich zum Radverkehr lediglich landwirtschaftlicher Verkehr zugelassen. In Bereichen mit anliegenden Wohnhäusern ist Anliegern das Befahren der Straße mit Kraftfahrzeugen gestattet. Und dort, wo die Straße zu weiteren Wohnstraßen führt, ist allgemeiner Kraftverkehr zulässig.
Zur Vermeidung von unverträglichem Kfz-Verkehr wurde im Abschnitt zwischen Heuweg und Isenstedter Straße eine „Treckerschleuse“ installiert. Landwirtschaftliche Fahrzeuge mit einer Bodenfreiheit von mindestens 22 Zentimetern können diese überfahren. Als Schleichweg zu einem Schnellrestaurant soll die Strecke hingegen nicht mehr dienen.
An den meisten Kreuzungen wurde die Verkehrsführung geändert, um der neuen Fahrradstraße soweit möglich Vorrang einzuräumen. Rote Markierungen heben das optisch hervor. Lediglich an den so genannten klassierten Straßen (K 56/Isenstedter Straße, L 771/Frotheimer Straße und K 55/Eichholzer Straße) ist das verkehrsrechtlich nicht möglich. Hier müssen die Radfahrer kreuzendem Verkehr Vorrang gewähren.
Die Baukosten belaufen sich auf rund 1,9 Millionen Euro und wurden zu 90 Prozent durch den Bund und Programme des Landes NRW öffentlich gefördert. Die relativ lange Bauzeit von rund einem Jahr erklärt sich vor allem dadurch, dass neben dem Straßenbau im Bereich zwischen Eilhausen und Lübbecke buchstäblich „in einem Abwasch“ auch die Abwasserdruckrohrleitung erneuert wurde.
Hier findet man einen Übersichtslageplan für die Fahrradstraße im PDF-Format.