Wasserstoffmodellregion OWL: Anlauf für die nächste Runde
Minden-Lübbecke -
Wasserstoff wird zunehmend zum Zauberwort für den Energiemarkt der Zukunft. Wasserstoff ist klimafreundlich und macht unabhängig von Energielieferungen aus anderen Ländern. „Die aktuelle Energiekrise führt uns allen deutlich vor Augen, wie wichtig es ist sich im Bereich der Energieversorgung möglichst breit aufzustellen. Wasserstoff – produziert aus erneuerbaren Energien – ist auch für den Kreis Minden-Lübbecke und die gesamte Region OWL ein wichtiges Standbein, um die Versorgung mit umweltfreundlicher Energie in Zukunft sicherzustellen,“ dies betont Landrätin Anna Katharina Bölling vom Kreis Minden-Lübbecke.
Die Wasserstoffmodellregion OWL hat in den vergangenen Jahren bereits zwei von drei Projektstufen im Bundesprogramm HyDrive zum Ausbau einer Wasserstoff-Infrastruktur erfolgreich abgeschlossen. Jetzt steht der nächste Schritt für die praktische Umsetzung der Wasserstoffmodellregion HyDrive OWL an: Ab Ende September können sich Regionen für das Bundesprogramm HyPerformer bewerben. Eine Förderzusage aus Berlin würde bedeuten, dass die OWL-Kreise und die Stadt Bielefeld als Projektpartner gemeinsam mit der tatsächlichen Umsetzung der Technologie in der Fläche beginnen könnten.
„Jetzt startet die Phase, in der wir konkrete Projekte anpacken können. Mit unseren Visionen und starken Kooperationspartnern wollen wir einen schlagkräftigen Förderantrag stellen“, so Landrat Dr. Axel Lehmann vom Kreis Lippe, der die Zusammenarbeit koordiniert.
Vorausgegangen war eine Potentialanalyse, die die Kreise Minden-Lübbecke und Lippe sowie die Stadt Bielefeld als zweite Projektstufe angefertigt hatten zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE). Dabei ging es darum zu klären, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen für die Erzeugung, Verteilung und Nutzung von Wasserstoff vor Ort. Eine ganz neue Bandbreite an Möglichkeiten ergab sich durch die Bewertung des Anwenderpotentials zusätzlich mit allen anderen Kreisen in OWL. „Wie an anderen Orten in OWL haben auch wir im Kreis Minden-Lübbecke bereits sehr handfeste Möglichkeiten ausloten können, um in Zukunft hier vor Ort Wasserstoff produzieren und nutzen zu können, beispielsweise um damit Busse, Müllsammelfahrzeuge oder andere kommunale Fahrzeuge zu betanken“, sagt Gerd Sander-Nather, der das Projekt im Kreis Minden-Lübbecke betreut.
„Wir konnten unser Konzept bereits in verschiedenen Foren mit dem Verkehrsministerium vorstellen“, erklärt Olrik Meyer, Projektleiter von HyDrive OWL. „Sollten wir einen Zuschlag erhalten, ließen sich Beschaffungsvorhaben umsetzen und Investitionslücken schließen.“
Für einen erfolgreichen Antrag geht der Kreis Lippe mit den Projektpartnern nun in Gespräche, um Verbindlichkeiten zu schaffen. Akteure entlang der Wertschöpfungskette sollen dabei konkrete Investitionsabsichten aufzeigen. Erste Erklärungen liegen bereits vor. Weitere Interessierte, vor allem Logistiker, Tankstellenbetreiber und Anwender, können sich unter d.hetmann@kreis-lippe.de melden.
„Die Vernetzung aller Beteiligten und Interessierten am Projekt der Errichtung einer Wasserstoffinfrastruktur in OWL ist essentiell, um die Aktivitäten und Anstrengungen in diesem Bereich zu bündeln und gemeinsam das Ziel einer klimaneutralen Verkehrswende zu erreichen“, unterstreicht Lutz Freiberg, Bau- und Umweltdezernent des Kreises Minden-Lübbecke die Bedeutung des Projektes. Unabhängig von dem Förderprogramm arbeiten die OWL-Kreise und die Stadt Bielefeld bereits in einer Steuerungsgruppe zusammen. Die Kooperation plant aktuell eine Verstetigung von jährlichen Treffen sowie Workshops, um Akteure über neuste Entwicklungen zu informieren und die Netzwerkarbeit zu intensivieren.
Hintergrund zum Förderprogramm HyPerformer
Der Kreis Lippe als Koordinator, die Stadt Bielefeld und der Kreis Minden-Lübbecke haben sich im Dezember 2019 mit dem Projekt HyDrive OWL erfolgreich beim Bundeswettbewerb “HyLand – Wasserstoffregionen in Deutschland” beworben. Sie erhielten einen Zuschlag für das Programm HyExpert. Die Teilnahme an dem Programm ist nun Voraussetzung für eine mögliche Berücksichtigung in der höchsten Kategorie HyPerformer. Die Bewerbungsphase läuft bis Ende Januar 2023. Das Bundesverkehrsministerium will voraussichtlich mindestens drei Gewinnerregionen bzw. Konzepte ermitteln, welche jeweils mit bis zu 15 Mio. Euro Förderung unterstützt werden. Insgesamt stehen Fördermittel von 45 Millionen Euro bereit. Der Kreis rechnet für Mitte 2023 mit einer Entscheidung.