Wo früher Chemie war, entsteht heute Zukunft
Espelkamp -

Lehrerin Katharina Rommelmann (rechts) schnitt symbolisch ein Band durch. Es freuen sich Schulleiter Dieter Gerecke (2.v.r.) sowie (v.l.) die Schüler Bilal Samandari, Faisal Latifi und Mamadou Diallo.
Ein Klassenraum, der kein Klassenraum mehr sein will: Die Bischof-Hermann-Kunst-Schulen (BHKS) haben kürzlich ihren neuen Lernprojektraum feierlich eingeweiht. Wo ganz früher Reagenzgläser den Ton angaben und später ein herkömmlicher Klassenraum den Alltag bestimmte, bestimmen nun Flexibilität und moderne Pädagogik das Bild. Ein Projekt, das durch viel Herzblut und namhafte Spender wie die Bünting-Stiftung realisiert werden konnte.
Schulleiter Dieter Gerecke blickte bei der Eröffnung bewegt auf die Geschichte des Raumes zurück. Als er vor 32 Jahren an der Schule begann, diente der Trakt noch als funktionaler Chemiesaal, bevor er über lange Zeit als normaler Klassenraum genutzt wurde. Dass ausgerechnet dieser Ort nach vielen Arbeitsstunden und intensivem Einsatz zum Symbol für die Erneuerung der Schule wurde, passt in die langfristige Strategie der Einrichtung: In den vergangenen Jahren wurde die BHKS konsequent modernisiert, um den Schülerinnen und Schülern zeitgemäße Lernwelten zu bieten.
Schon beim Betreten des neuen Raumes wird deutlich, dass hier mit alten Standards gebrochen wird. Statt starrer Stuhl- und Tischreihen dominieren runde Tische und farbenfrohe Bewegungssitze das Bild. Diese bewusste Entscheidung gegen das klassische Frontal-Format soll es ermöglichen, moderne Unterrichtsformen zu erproben und Schule einmal ganz anders zu erleben. Dabei folgt die Gestaltung einer klaren pädagogischen Überzeugung: Während digitale Medien die vielfältigen Möglichkeiten selbstverständlich weiterhin ergänzen, bleibt das analoge Lernen in angepassten Formaten auch in Zukunft von zentraler Bedeutung. Dass der Raum im Moment noch bewusst schlicht wirkt, ist Teil des Konzepts. Die ganz eigene Atmosphäre soll in den kommenden Monaten organisch durch die Lern- und Arbeitsergebnisse der Schülerinnen und Schüler wachsen. Ziel ist es, die intrinsische Lernmotivation auf kreative Weise nachhaltig zu fördern.
Die feierliche Eröffnung wurde unter anderem durch Lehrerin Katharina Rommelmann vollzogen, die symbolisch das rote Band durchschnitt. Auch Pfarrer Stefan Bäumer, Vorstand der Ev. Stiftung Ludwig-Steil-Hof als Träger der Schulen, würdigte das Engagement hinter den Kulissen. Er betonte, dass eine solche „erweiterte Lernumgebung“ ohne die Unterstützung von außen kaum realisierbar gewesen wäre. Ein besonderer Dank galt der Bünting-Stiftung und den vielen Menschen die den Ludwig-Steil-Hof regelmäßig mit freien Spenden unterstützen, ohne deren Unterstützung eine Umsetzung des Projektes nicht möglich gewesen wäre. Bäumer unterstrich, dass es vor allem die engagierten Menschen an den Schulen seien, die solche Projektideen immer wieder neu entwickeln würden und dann auch mit Herzblut vorantrieben. Wie gut das neue Konzept ankommt, zeigte sich unmittelbar nach dem offiziellen Teil: Die ersten Schülerinnen und Schüler nahmen an den neuen Tischen Platz und starteten sichtlich gut gelaunt in einen ersten regen Austausch beim gemeinsamen Lernen.