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Der Pferdekutscher von Barre

Lübbecke -

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In einer Welt, in der fast alles digital und hochmodern abläuft, gibt es Orte, an denen Tradition noch lebendig ist. Einer dieser besonderen Orte ist die Privatbrauerei Barre in Lübbecke. Während andere Brauereien ihr Bier längst nur noch per LKW ausliefern, setzt Barre weiterhin auf ein Stück Geschichte: Jeden Freitag rollt eine Pferdekutsche durch die Stadt und bringt frisches Bier zu den Gaststätten – ein Anblick, der Einheimische und Besucher gleichermaßen begeistert.

Pferdekutscher – Beruf oder Berufung? 

Der Beruf des Pferdekutschers bei der Privatbrauerei Barre in Lübbecke ist eine traditionsreiche Tätigkeit, die bis heute gepflegt wird. Um diesen Beruf auszuüben, sind Erfahrung im Umgang mit Pferden, Wissen über deren Pflege und eine sichere Handhabung der Kutsche unerlässlich. Seit der Gründung der Brauerei im Jahr 1842 spielen Pferde eine zentrale Rolle in der Bierauslieferung. In den Anfangsjahren war der Pferdewagen das wichtigste Transportmittel, da das Schienennetz noch in den Kinderschuhen steckte. Ohne Pferde wäre damals kein Bier zu den Kunden gelangt. Bis heute setzt Barre auf diese alte Tradition und lässt jeden Freitag zwei Kaltblüter, Gustav und Alfred, Bier zu Gaststätten in Lübbecke liefern.

Der Berufsalltag eines Bierkutschers:

Sebastian, der Pferdekutscher der Familienbrauerei Barre, beginnt seinen Arbeitstag freitags um 7 Uhr. Nach der ersten Fütterung und einem Kontrollgang werden die Pferde sorgfältig gepflegt, gestriegelt und für die Fahrt vorbereitet. Um 9:30 Uhr startet die Tour durch Lübbecke, bei der sieben bis acht Gastronomen beliefert werden. Die Kutsche wird mithilfe eines Gabelstaplers beladen, bevor sie sich auf den Weg in die Stadt macht. Unterwegs liefert Sebastian etwa 15 bis 20 Fässer aus und nimmt leere Fässer wieder mit zurück zur Brauerei. Eine Besonderheit seines Berufs: Er wird häufig von Kunden zum Frühstück eingeladen – eine willkommene Gelegenheit zur Kundenbindung.

Viele Gastronomen erwarten das Gespann bereits vor ihren Lokalen und winken ihm entgegen. Im Gegensatz zu einem LKW kann eine Pferdekutsche nicht einfach irgendwo abgestellt werden, weshalb Sebastian stets mit Bedacht anhält. Gegen 13 Uhr kehren Pferde und Kutscher zur Brauerei zurück – begleitet vom vertrauten Klang der Hufe, der symbolisch das nahende Wochenende ankündigt.

Enge Bindung zwischen Kutscher und Pferden: 

Sebastian lebt für seine Pferde. Er kennt jede ihrer Bewegungen – sei es ein Kopfzucken, ein Ohrenspiel oder ein leises Wiehern. Gustav und Alfred sind für ihn weit mehr als Arbeitspartner; sie sind ein perfekt aufeinander abgestimmtes Team. Während Gustav die Führung übernimmt, beeindruckt Alfred mit seiner Ausdauer. Ihre enge Verbindung zeigt sich besonders, wenn einer den Stall verlässt – dann ertönt sofort das sehnsüchtige Wiehern des anderen. Geht es den Pferden nicht gut, spürt das auch Sebastian – denn ihr Wohlbefinden ist untrennbar mit seinem eigenen verbunden.

Die Pflege der Tiere ist aufwendig: 

Zwei Pfleger kümmern sich morgens, abends und am Wochenende um sie. Sebastian springt bei Notfällen oder personellen Engpässen natürlich auch selbst ein. Wenn Gustav und Alfred nicht gerade Bier ausliefern, genießen sie ihre Zeit auf dem Paddock oder der Weide. Auf dem Paddock können die Pferde frei entscheiden, ob sie im Offenstall bleiben oder ins Freie gehen möchten und es gibt sogar eine überdachte Außenfläche. Täglich kommen Gustav und Alfred auch auf die große Weidefläche am Waldrand, um sich ausgiebig zu bewegen und zu grasen. Ihr Futter besteht aus nachhaltigen Rohstoffen, und langjährige Lieferanten aus der Umgebung sorgen für hochwertiges Heu, Kraftfutter, Kräuter und Müsli. Bezahlt werden die beiden übrigens bei der Kundschaft am liebsten mit frischen Möhren oder anderen Köstlichkeiten, eine wohlverdiente Belohnung für ihre wöchentliche Arbeit.

Alte Tradition wird gelebt: 

Der Beruf des Pferdekutschers ist selten geworden. Es gibt nur noch sehr wenige Brauereien wie Barre, die Bier per Kutsche ausliefern. Bei Barre steht außer Frage, diese Tradition aufzugeben. Sebastian selbst hat einen gewerblichen Kutschenschein und kam als gelernter Zimmermann zur Brauerei, zunächst als Gabelstaplerfahrer im Versand. Doch seine Leidenschaft für Pferde führte ihn schließlich zusätzlich zur Rolle des Bierkutschers. Neben den wöchentlichen Auslieferungen fährt er die Kutsche auch bei Festumzügen und selbstverständlich beim jährlichen Lübbecker Bierbrunnenfest. Interessanterweise bezeichnen sich auch viele Bierfahrer als Kutscher, selbst wenn sie mit dem LKW unterwegs sind – eine Fähigkeit, die auch Sebastian beherrscht.

Ein großes Holzfass als Kutsche: 

Die Kutsche von Barre ist eine echte Attraktion. Sie ist eine TÜV-abgenommene Sonderanfertigung mit einer einzigartigen Konstruktion. Sie sieht aus wie ein großes Holzfass. In Lübbecke ist sie das meistfotografierte Objekt. Kunden und Passanten reagieren begeistert, winken oder bleiben für ein Foto stehen. Trotz aller Herausforderungen, von Budgetfragen bis zu neuen Verordnungen, bleibt die Pferdekutsche ein fester Bestandteil der Familienbrauerei Barre. Sie verkörpert Handwerk, Tradition und eine besondere Art der Bierlieferung – eine lebendige Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Zitat vom Bierkutscher Sebastian: „Die Bindung zwischen mir und den Pferden ist etwas ganz Besonderes. Gustav und Alfred sind nicht nur meine Arbeitskollegen, sondern wir sind ein echtes Team. Die Tradition des Pferdekutschers zu pflegen, ist für mich mehr als nur ein Job – es ist eine Leidenschaft.“

Quelle: Privatbrauerei Ernst Barre GmbH